Africa for Beginners - Die ganze Tour
Dienstag, 20. Mai 2008 um 11:03

"Namibia is Africa for Beginners" sagte an unserem letzten Tag in Windhoek ein Hotelgast zu uns, nachdem wir erzählten, dass wir gerade unsere erste Afrika-Tour hinter uns haben. Dann haben wir ja alles richtig gemacht! Dann können wir ja jetzt weitere Teile des südlichen Afrikas erkunden - denn Namibia hat uns so gut gefallen, dass Andi und ich uns einig sind: Das war nicht unsere letzte Reise auf diesen Kontinent.

Mittlerweile sind wir seit einer Woche wieder zu Hause, das heißt auch der Kreta-Urlaub ist schon wieder vorbei.

Andi hatte letzten Donnerstag seinen ersten Arbeitstag und ist nun unter der Woche in Luxemburg, gestern haben wir seine Wohnung in Trier ein wenig eingerichtet und ich werde mich heute oder morgen auf den Weg nach Hannover machen, um dort Andis neues Auto abzuholen. Der Alltag kehrt wieder ein. Deshalb werde ich mich jetzt mal an unsere Reise zurückerinnern und versuchen unsere 12-tägige Tour ein wenig genauer zu beschreiben, nachdem meine Berichte von unterwegs recht spärlich ausgefallen sind. Aber auf so einer Reise treten Dinge wie das Internet doch sehr in den Hintergrund... :-)

Zunächst muss ich sagen, dass wir wirklich Glück mit unserer Reisegruppe hatten - sowas kann ja auch schief gehen. Aber unsere Gruppe war supernett, wir haben uns alle gut verstanden und hatten eine tolle Zeit zusammen. Vielleicht lags an der bunten Mischung: Außer Andi und mir drei weitere Deutsche, dann 4 Franzosen, davon eine Familie mit einer 10jährigen Tochter, 2 Italiener (Mutter und Sohn - sehr witzig!) und eine Schweizerin.

 


Die Reisetruppe am letzten Abend in Windhoek

 

Alterstechnisch kunterbunt - von 10 bis schätzungsweise 58. Unser Guide hieß Alfred, Südafrikaner, 25 Jahre jung, sehr easygoing, Lieblingswort: Lekker! DAS Universalwort in Afrikaans für alles was cool, krass, schön, lustig, toll, lecker und was-weiß-ich-was ist.

Nicht so lekker war allerdingsunsere Panne auf dem Weg zu den Epupa Falls (wie schon im letzten Bericht erwähnt). Gerade im Norden sind die Straßen nicht immer die besten und so die Überquerung eines recht steinigen ausgetrockneten Flusslaufs den Reifen von unserem Truck den Rest gegeben. Von zwei der Vorderreifen hing das Gummi in Fetzen runter. Zum Glück hatten wir zwei Ersatzreifen dabei - die zu wechseln eine ganz schön schweißtreibende Angelegenheit für die Männer unter uns war. Danach mussten wir die Tour etwas umändern, denn ohne weitere Ersatzreifen sollte man nicht in eine Gegend fahren, in der es keinen Handyempfang, geschweige denn eine Werkstatt mit Reifen gibt. Aber alles halb so tragisch, denn auch die alternative Route war toll und Alfred war uns dankbar, dass wir uns nicht beschwert haben und ihm keine Vorwürfe gemacht haben - das hat er wohl auch schon mal ganz anders erlebt. Ansonsten hat der Truck uns aber sicher durch Land kutschiert, auch wenn die Schließfächer für unsere Taschen ihrem Namen keine Ehre machten und wir sie immer zubinden mussten, damit uns unsere Rucksäcke und Taschen nicht um die Ohren flogen.

 


Der Truck - Fahrzeug und Küche in einem
Geschlafen haben wir entweder in großzügigen 2-Mann-Zelten oder unter freiem Sternenhimmel. Letztes ging allerdings nur am Anfang der Tour. Später haben wir in Gegenden gecamped, wo es zu gefährlich ist, ohne Zelt zu schlafen. Vor allem im Etosha-Park können auch mal Elefanten im Camp rumlaufen. Und so einer Hyäne möchte ich nachts auch nicht begegnen. Haben wir ohne Zelt geschlafen, sah das am nächsten Morgen ungefähr so aus:

Alfred beim Frühstück machen

So, und nun zu den landschaftlichen und tierischen Highlights der Tour. Mit das tollste Farbspiel hat sich uns in Sossuvlei geboten. In diesen Teil der Namib-Wüste herrscht eine roten Dünenlandschaft vor, die zusammen mit dem blauen Himmel und den weißen Salztälern einfach nur toll aussieht.

 


Toter Baum in sogenannten Death Vlei in Sossusvlei

 

Um hier vor den Touristenströmen und vor der Mittagshitze anzukommen, sind wir morgens um 3 aufgestanden um nach 2 Stunden Fahrt vor einer Kulisse mit Dünen zu frühstücken und anschließend auf die Düne namens "Big Mama" hochzuwandern. Seid ihr schon mal so eine Düne heruntergerannt? Man hat das Gefühl seine Füße nicht mehr kontrollieren zu können und man wird schneller und schneller und schneller... :-) Beim anschließenden Fußmarsch zum Death Vlei stand die Sonne dann allerdings schon so hoch, dass ich mir bei jedem Schritt die Füße im heißen Sand verbrannt habe. Damn, habe ich meine Flip Flops verflucht. Es tat so höllisch weh! Der Anblick hat die Tortur allerdings entschädigt.

Völlig verschwitzt und voller Sand sind wir dann weiter gefahren, abends war "wild" campen angesagt - das hieß keine Dusche und Plumpsklo. Um wenigstens wieder halbwegs wie ein Mensch auszusehen, habe ich mir Gesicht und Haare auf einer Raststätte im Waschbecken gewaschen aus ausgespült. ;-) Zum Glück gabs am nächsten Tag dann wieder ne Dusche und sogar ein richtiges Bett. Und zwar in Swakopmund. Back to civilization für zwei Tage. Über Swakopmund hatte ich ja schon was geschrieben. Niedliches Städtchen, unglaublich deutsch, bunt und auch relativ touristisch. Man kann von Scenic Flights über Sky Diving, Bootstouren bis hin zu Quadbiking und Sandboarding in den Dünen alles mögliche machen. Während Andi Chamäleons und andere Tiere in der Wüste ausgegraben hat, hab ich ne Bootstour mitgemacht und Seehunde hautnah erlebt.

 


Ich mit "Robby"

Nach 2 Tagen Swakopmund sind wir dann weiter in Richtig Norden gefahren und haben unter anderem einen kurzen Stop am Cape Cross gemacht, bei dem es Andi fast den Atem geraubt hat. Dort ist eine riesige Seehundkolonie, die leider einen bestialischen Gestank erzeugt. Ich konnte es so einigermaßen aushalten, aber Andi ist nach 2 Minuten wieder zurück zum Truck geflüchtet, da ihm beinahe schlecht geworden ist.

Nächste Station und auch nächstes Highlight der Tour war die Felsformation Spitzkoppe. Man konnte sich gar nicht satt sehen an den vor allem in der Abend- und Morgensonne rötlich schimmernden Felsen. Einfach eine bizarre und wunderschöne Landschaft und wir haben mittendrin gecamped.


Spitzkoppe

Und am nächsten Tag haben wir dann unsere ersten drei Elefanten gesehn! Alfred ist erst einmal voll dran vorbeigerast bis ihn die "Stop! An Elephant! Back!" Rufe gestoppt haben. Es blieb auch nicht die einzige Mal, dass Alfred größere Tiere - die meist auch noch direkt an der Straße standen - nicht gesehen hat und einfach weitergefahren ist. Aber sobald irgendwo in weiter Ferne ein Vogel zu sehen war, den wir kaum erkennen konnten, hat er eine Vollbremsung hingelegt und sein Vogelbuch herausgekramt: "Did you see that Bird over there? It´s Numer 3 on page 120." Ein absoluter Vogelnarr! :-) Bei dem Elefanten handelte es sich übrigens um einen sogenannten "Desert Elephant" - nichts anderes als ein normaler afrikanischer Elefant, nur dass er an die Bedingungen in der Wüste angepasst ist und z.B. viel weniger Wasser benötigt als einer der weiter im Norden im Etosha Park lebt. Leider haben wir im Etosha-Park selbst nur einen weiteren Elefanten gesehn, und den auch nur in 2 km Entfernung und von hinten. Dafür war es einfach die falsche Jahreszeit. Viele der Tiere halten sich im Norden des Parks auf, da dort zur Zeit genug Wasser ist. Die Autorouten sind aber nur im Süden, entlang der Wasserlöcher. Nichtsdestotrotz haben wir viele Tiere gesehn. Dazu gleich mehr.

Vorher muss ich noch von uns Begegnung mit den Himbas erzählen. Die Himbas sind Halbnomaden, die vor allem in Norden Namibia aufgrund ihr stark verankerten Kultur noch sehr traditionell leben. Eigentlich hätten wir auf unserer Tour auch ein Himba-Dorf besucht, aber das musste aufgrund unserer Reifenpanne leider ausfallen. Aber grade diese hat uns dann zu einer ziemlich verrückten Begegnung mit den Himbas verholfen. Während wir nämlich damit beschäftigt waren die Reifen zu wechseln, bekamen wir Besuch von einer Himbafrau mit ihren Kindern, die sich nicht weit von uns entfernt ins Gras setzten und uns einfach zuschauten. Bestimmt über eine Stunde lang. Irgendwann haben wir uns dann überlegt, wir könnten den kleinen Kindern doch Bonbons geben. Kaum hatten wir das getan und auch ein, zwei Fotos gemacht, kam plötzlich das halbe Dorf angelaufen, unter ihnen auch ein älterer Mann, der bei dem Versuch weitere Fotos zu machen, eine aus unserer Gruppe ganz schön anschnauzte. Das war vielleicht eine komische Situation. Da man sich ja nicht wirklich verständigen konnte, wusste man nicht, was die anderen denken und so standen man sich gegenüber und hat sich beobachtet. Der ältere Mann hat dann mit den paar Brocken Englisch, die er konnte, gesagt, dass er Rückenschmerzen hat, so dass einer aus der Gruppe ihm Mobilat geschenkt hat. Außerdem haben dann einige noch eine Wunde am Bein eines anderen desinfiziert und verbunden. Die ganze Zeit über konnte man - oder zumindest ich - die Situation und die Stimmung nicht so richtig einschätzen. Zumindest wurde uns bei der Weiterfahrt lächelnd zugewunken. Auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis.

 

Jaaa, und dann kamen wir zum Etosha National Park. Endlich Tiere beobachten. Irgendwie war das doch mein persönliches Highlight der Tour. Giraffen, Elefanten, Lösen, Zebras - das waren die Bilder, die bei dem Gedanken an Afrika immer in meinem Kopf aufgetaucht sind. Zwar hatten wir bis dahin schon viele Tiere gesehn, aber Alfred hat immer gesagt, wartet bis Etosha, dort sind die Tiere an die Autos und Busse gewöhnt und stehen am Straßenrand. Tja und genauso war es dann auch. Die Tiere sehen die Fahrzeuge übrigens als andere Tiere. Das heißt sie sind in keinster Weise an den Menschen gewöhnt. Deshalb darf man zwar die Fenster aufmachen, aber keine Hand oder den Kopf herausstrecken. Das würde das Bild zerstören.

Auf jeden Fall war es genial. Zebras bis zum Abwinken, genauso wie Antilopen (Gemsböcke, Springböcke, Kudus, Impalas, Gnus) und sooo viele Giraffen. Die find ich ja echt hübsch! Eine ist direkt vor uns über die Straße und eine andere direkt an meinem Fenster vorbei. Und es sieht ja so lustig aus, wenn die trinken. Löwen haben wir auch gesehn, was wohl nicht alle Tage passiert. Gleich zweimal. Einmal eine Gruppe von Weibchen und jungen Männchen, die in der Abendsonne, alle Viere von sich streckend , gefaulenzt haben - man konnte gar nicht sehen welches Bein zu welchem Löwen gehört - und dann ein Männchen und ein Weibchen beim Liebesspiel. Total witzig. Sie ist immer zum Wasserloch gelaufen, hat getrunken, und ist wieder zu ihm hin, ist um ihn rumschlawenzelt und dann gings zur Sache. Das Ganze hat sich dreimal wiederholt. Ein Nashorn haben wir auch gesehn, an einem Wasserloch, wo man vom Camping Platz aus hinlaufen konnte. Leider war es da schon fast dunkel, so dass das Fotografieren schwierig war. Nachdem wir so viele Tiere gesehen hatten, fehlte eigentlich nur noch einer: der Gepard, a Cheetah. Und den haben wir dann tatsächlich auch noch gesehn. Leider hat er sich als wir angehalten haben, ziemlich sofort in den Büsche verzogen, so dass wir nur noch ab und zu einen Blick auf ihn erhaschen konnten. But a cheetah is a cheeta, no matter how far away it is!

 

 

 

 

 

 

So, und damit endet mein Bericht und ich verweise einfach auf die Fotos - die sprechen größtenteils für sich. (Andi hat mit es der Zeit perfektioniert, die Kamera mit dem Fernglas zu kombinieren. Nur so sind uns manche Bilder aus nächster Nähe gelungen. Wie z.B. das obige Bild von der Löwin. Das nächste Mal muss auf jeden Fall ein höhrer Zoom mit!)

Ich kann an dieser Stelle nur noch ein Fazit ziehen: Die Reise war absolut genial, genau die richtige Mischung aus Camping- und Abenteuer-Urlaub, toller Landschaft und vielen Tieren. Und wer das auch mal machen will: Ich kann Drifters echt empfehlen, ich hatte immer das Gefühl, das Land wirklich zu erleben und nicht nur durch die Gegend kutschiert zu werden und alles von außen zu betrachten - und das ist mir irgendwie wichtig beim Reisen. Lekker!

 

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